Posteado por: crisdiaz24 | noviembre 9, 2014

Deutschland, eilig Vaterland

Die Berliner Mauer mit einer Gesamtlänge von 155 km rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost und West. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Sie war das abschreckendste Symbol des Ost-West-Konfliktes. Von der einen Seite als “Friedensgrenze” und “Antifaschistischer Schutzwall” gepriesen, von der anderen Seite als “kommunistische Schandmauer” verdammt. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989. Dieser 9. November ist fest mit der Deutschen Einheit verknüpft, weit mehr als der eigentliche Staatsakt ein Jahr später. Er erinnert uns auch an erfolgreichen Widerstand und Bürgermut. Der Mauerfall markiert auch das Ende des Kalten Krieges.

Ende Oktober 1989 hatten sich durch die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow nicht nur die herrschenden politischen Standpunkte der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), sondern auch die der Medien in der DDR bereits grundlegend verändert. Die Massenflucht von DDR-Bürgerinnen und-Bürgern in den Westen, eine neue Oppositionsbewegung und Montagsdemonstrationen setzten die DDR-Regierung unter Druck. Korrespondenten berichteten 1989 offen von Demonstrationen und Kundgebungen, informierten über die Reiseregelungen und über die Wirtschaftskrise in der DDR.

Im Herbst 1989 erfasst die Revolution das ganze Land. Nicht nur in Leipzig und Berlin demonstrieren die Menschen gegen den Staat und für ihre Interessen. Bereits am 1. September 1989, dem Weltfriedenstag, gehen in den kleinen Städten Neuruppin (nördlich von Berlin) und Forst (bei Cottbus) Menschen auf die Straße. Vor allem junge Menschen fordern die Öffnung der Grenzen.

Die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 gilt als entscheidend für die friedliche Revolution in der DDR. Die Menschen überwanden ihre Angst vor den Unterdrückern, ein Schießbefehl wäre nicht unvorstellbar gewesen. Ungehindert und friedlich zogen mehr als 70.000 Demonstranten über den Innenstadtring bis zur Stasi-Zentrale. Der Staat kapitulierte vor der Übermacht der Bürgerinnen und Bürger.

Im November 1989 überschlagen sich die Ereignisse in der DDR. Unter dem Druck der friedlichen Bürgerbewegung musste die SED immer weiter zurückweichen. Die Diktatur befand sich in einer offenen Krise, von der sie sich nicht mehr erholen sollte.

Die größte Demonstration in der Geschichte der DDR fand am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz statt, zu der sich über eine halbe Million Menschen friedlich versammelten. In der SED-Spitze und im Sicherheitsapparat begann ein Tauziehen um die Frage, ob man die Demonstration verhindern sollte. Schließlich beschloss die SED-Führung, dass die Demonstration genehmigt werden sollte. Eine zentrale Forderung der Demonstranten war die nach Reisefreiheit.

Die SED reagierte am 6. November 1989 mit einem Entwurf für ein Reisegesetz, welcher auf breite Ablehnung stieß. Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen sowie durch Einwirkung der “SED-Reformer” trat am 7. November 1989 die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph zurück. Daraufhin trat am 8. November auch das gesamte Politbüro des Zentralkomitee (ZK) der SED zurück.

In dieser Situation fand am 8. und 9. November 1989 das ZK-Plenum der SED statt. Gleichzeitig wurde ein einfaches und weitgehendes neues Reisegesetz ausgearbeitet und im ZK der SED verlesen. Kaum einer der Anwesenden erkannte die Brisanz dieses Entwurfs.

Nach oben

Der Tag: 9. November 1989

9 Uhr: Im Innenministerium der DDR kommen vier Offiziere zusammen, um eine neue Ausreiseregelung zu entwerfen. Das Politbüro hatte dazu den Auftrag gegeben. Der Rohentwurf, der zwei Tage zuvor von der Sowjetunion abgenickt wurde, sieht nur die ständige Ausreise direkt aus der DDR (über einen Extra-Grenzübergang im Süden) und nicht mehr über Drittstaaten wie die CSSR vor – aber keine Rückkehr in die DDR.
In einem Ministerratsbeschluss regeln die Offiziere das Recht auf Ausreisen. Alle Einschränkungen bei Anträgen auf eine ständige Ausreise aus der DDR sollen wegfallen. Ausreisen sollen nach wie vor beantragt werden müssen. Auf die Initiative von Oberst Gerhard Lauter hin mogelt die Runde einen folgenschweren Passus in den Text hinein: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Im Klartext: Reisefreiheit für alle, geordnet, langfristig und bürokratisch.
Die Verordnung soll bis zum Beschluss eines Reisegesetzes gelten und am Freitag, dem 10. November, 4 Uhr, veröffentlicht werden. Bereits am gleichen Tag sollen alle DDR-Bürger bei den Behörden Visa beantragen können. Das Papier geht direkt an das Zentralkomitee der SED.

Chronik der Mauer: Gerhard Lauter, VP-Oberst, über die Ausarbeitung der Reiseregelung im November 1989

10 Uhr: Der zweite Beratungstag des SED-Zentralkomitees beginnt. Die Bezirksbasis setzt die 1. Sekretäre Hans-Joachim Böhme in Halle, Werner Walde in Cottbus und Johannes Chemnitzer in Neubrandenburg wieder ab. Auch die langjährige Frauenbeauftragte des SED-Politbüros Inge Lange tritt von ihrem Posten zurück.

12 Uhr: Mitglieder des Politbüros bestätigen in einer Raucherpause des ZK den von den Offizieren erarbeiteten Reiseregelungs-Entwurf. Er wird an den Ministerrat weitergeleitet.

15 Uhr: Im Innenministerium und bei der Staatssicherheit wird an den Durchführungsbestimmungen zur Reiseverordnung gefeilt.

16 Uhr: Generalsekretär Egon Krenz verliest im SED-Zentralkomitee den Reiseregelungs-Entwurf, der ihm nun als Beschlussvorlage des Ministerrates einschließlich Pressemitteilung vorliegt.

17.30 Uhr: Krenz händigt die Ministerrats-Beschlussvorlage und eine dazugehörige Pressemitteilung Günter Schabowski aus. Er ist in diesen Tagen Sprecher des SED-Zentralkomitees.

Um 18 Uhr beginnt die Live-Übertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski (1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin), in der er über die Ergebnisse der Politbürositzung am Nachmittag informierte.

Um 18:57 kurz vor Ende der Pressekonferenz Uhr fragt der italienische Journalist Riccardo Ehrman nach, ob der Entwurf des Reisegesetzes nicht ein Fehler gewesen sei. Schabowski teilt den erstaunten Journalisten mit, dass ab sofort Westreisen für jedermann möglich sind. Viele DDR-Bürger sehen die Mitteilung im Fernsehen. Die Regelung war ursprünglich als Richtlinie für die ständige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (ohne Recht auf Rückkehr) gedacht. Sie sollte den anhaltenden Ausreisestrom über die Tschechoslowakei stoppen.

“Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. …Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt…Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich.”

 

http://www.lpb-bw.de/fall_der_berliner_mauer.html

Anuncios

Responder

Introduce tus datos o haz clic en un icono para iniciar sesión:

Logo de WordPress.com

Estás comentando usando tu cuenta de WordPress.com. Cerrar sesión / Cambiar )

Imagen de Twitter

Estás comentando usando tu cuenta de Twitter. Cerrar sesión / Cambiar )

Foto de Facebook

Estás comentando usando tu cuenta de Facebook. Cerrar sesión / Cambiar )

Google+ photo

Estás comentando usando tu cuenta de Google+. Cerrar sesión / Cambiar )

Conectando a %s

Categorías

A %d blogueros les gusta esto: